Uyuni. Salzwüste, Lagunen, Flamingos.

Während Alice es kaum noch erwarten konnte, endlich wieder Bolivien zu bereisen, war Alfreds Vorfreude ein wenig verhalten. Zu tief saß noch der schale Nachgeschmack von Nepal. Was, wenn Bolivien auch so wird?!

Den Unterschied im Komfortlevel zwischen chilenischem und bolivianischen Reisebus ist bereits beim Einsteigen offensichtlich: Selbst bei Temperaturen um oder unter Null Grad werden sie nämlich nicht beheizt. Also nehmen wir Haube und Kapuze erst einmal nicht ab. Bald geht aber die Sonne auf und es wird wärmer. Wir tauen auf.

Der Grenzübertritt ist unspektakulär – im Gegensatz zur Landschaft, die uns staunen lässt: Vulkane, Wüste, Steine – und wir erreichen die Stadt Uyuni sogar früher als geplant.

Bolivia Uyuni Altiplano
Eine der Hauptverkehrsadern von Uyuni.

Uyuni gehört zu den Orten, die von Touristen eher nur als Ausgangspunkt für Ausflüge genutzt werden. Die kleine Stadt hat selbst nicht viel zu bieten, ist seit Alices letztem Aufenthalt allerdings um einiges freundlicher geworden und bietet alles, was das Herz des Reisenden begehrt: Unterkünfte für jedes Geldbörsel, halbwegs gut sortierte Supermärkte und ausreichend Lokale und Bars. Das primäre Ziel ist allerdings wie erwähnt nicht Uyuni, sondern die umgrenzende Natur – allen voran die Salzwüste „Salar de Uyuni“ und die Lagunen an der Grenze zu Chile.

Bolivia Altiplano Uyuni

Nach dem Ankunftstag gönnen wir uns noch einen weiteren Tag zur Akklimatisierung (nach Calama auf 2.260 m bewegen wir uns nun auf 3.670 m), an dem wir verschiedene Touranbieter aufsuchen und schließlich verschiedene Ausflüge (beim selben Anbieter: Salty Desert Aventours) buchen.

Wir hatten im Voraus von betrunkenen Fahrern gelesen und Alice erinnerte sich daran, ihren Jeep mehrmals zum Starten anschieben zu müssen. Bei der Recherche wurde aber schnell klar, dass Qualität in jedem Fall mit Preis gleichzusetzen ist – ist die Tour besonders billig, wird klarerweise irgendwo gespart. Salty Desert war somit nicht der billigste Anbieter, aber noch im Rahmen (mit ein wenig Verhandlungsspielraum, wie Alice schnell herausfand) und wir waren beide mit den erbrachten Leistungen soweit zufrieden, dass wir den Anbieter jederzeit weiterempfehlen würden.

Alfreds Tagestour

Alfred beschränkte sich wie erwähnt auf eine Tagestour beim gleichen Anbieter. Die Tour beginnt mit einem kleinen Rundgang in Uyuni.

Frau im traditionellen Gewand in Uyuni
Frau im traditionellen Gewand am Markt in Uyuni

Die Stadt liegt auf einer Hochebene in einer Höhe von 3.700 m über dem Meeresspiegel und hat ca. 30.000 Einwohner. Gegründet wurde sie um 1890. Typisch für Uyuni – und viele andere Städte in Bolivien – sind die Straßenmärkte auf denen meist Bäuerinnen aus dem Umland ihr Obst und Gemüse im Einzelverkauf darbieten.

Markt in Uyuni
Markt in Uyuni

Danach steigen wir in den Jeep und fahren zur ersten Destination, dem Train Cemetery. Die Züge wurden lange Zeit verwendet, um die in der Salzwüste abgebauten Mineralien zu den Häfen am pazifischen Ozean zu befördern. Bolivien verlor seinen Zugang zum Meer im sogenannten Salpeterkrieg (1879 – 1883) an Chile. In den 1940er Jahren brach der Bergbau ein und viele Züge und Linien wurden aufgegeben. Heute stellt der Ort einen skurrilen Hintergrund für Selfies aller Art dar und ist eines der beliebtesten Motive rund um Uyuni. Alfred kann auch an diesem Tag eigens für Fotos geschminkte und aufgebrezelte angereiste Damen samt Fotografen beobachten.

Zugfriedhof in Uyuni
Alfred (ungeschminkt) am Zugfriedhof in Uyuni

Gleich danach geht es weiter zu einem kleinen Dorf, in dem man sich die traditionelle Salzgewinnung ansehen kann. Auch wenn es heute großteils maschinell passiert, hier werden jährlich ca. 25.000 Tonnen Salz abgebaut, der größte Teil wird allerdings industriell verwendet und endet nicht auf dem Teller.

Kleine Maschine zur Salzgewinnung
Kleine Maschine zur Salzgewinnung, man beachte die Flasche mit Jod, das auch hier zugesetzt wird

Der nächste Stopp liegt schon mitten in der riesigen Salzwüste. Geologisch gesehen fasziniert Alfred dabei am meisten, dass es nicht einfach eine Schicht Salz ist, sondern dass es viele Schichten sind. Unterhalb der obersten, sichtbaren, Salzschicht befindet sich nämlich ein riesiger Salzsee. An manchen Stellen befinden sich kleine Löcher, durch die man in den darunter liegenden Salzsee hineinschauen kann.

Unendliche Weiten
Unendliche Weiten in der Salzwüste von Uyuni
Loch in der obersten Salzschicht
Loch in der obersten Salzschicht

Was auch bei dieser Tour nicht fehlt, ist ein Stopp, um die nur in dieser unendlichen Weite möglichen lustigen Perspektivenfotos anzufertigen.

Uyuni photo
Alfred mit Dinosaurier
Levitation über der Salzwüste von Uyuni
Levitation über der Salzwüste von Uyuni

Ein weiteres – unerwartetes – Highlight ist die Isla Incahuasi inmitten der Salzwüste. Es handelt sich dabei um eine Insel vulkanischen Ursprungs, die irgendwann im Lauf der Erdgeschichte einmal unter dem Meeresspiegel lag. Im Laufe der Jahrmillionen hob sich das gesamte Andenmassiv bekanntlich an. Du musst dir das einmal vorstellen: Du befindest dich dort auf über 3.500 Metern über dem Meer und spazierst auf einer Insel herum, deren Felsen mit Korallen überzogen sind.

Isla Incahuasi
Korallen auf der Isla Incahuasi

Auf der letzten Station an diesem Tag besuchen wir noch einen Teil am Rande der Salzwüste, in dem sich auch zu dieser Jahreszeit noch Wasser an der Oberfläche befindet, und machen ein paar faszinierende Aufnahmen.

Salzwüste Uyuni mit Wasser
Die dünne Schicht Wasser über dem Salzsee erzeugt einen faszinierenden Effekt, besonders im Abendlicht

Alices 3-Tagestour

Alice hat zwar bei ihrem letzten Aufenthalt schon einmal eine sehr ähnliche Tour gemacht, war aber so begeistert von der Landschaft, dass sie ein weiteres Mal eintauchen will. Die Höhenangaben der zu besichtigenden Lagunen schrecken sie keineswegs ab. Wird schon passen 😉

Am ersten Tag werden mit dem erfreudlich modernen Jeep (Sicherheitsgurte!) dieselben Orte besucht wie auf Alfreds Tagesausflug: Eisenbahnfriedhof, Salzfabrik, Salzwüste mit Insel und zum Sonnenuntergang findet unser Fahrer auch ein Wasserloch, damit wir eine kleine Spiegelung fotografieren können.

Bolivia Altiplano Uyuni train cemetery
Am Eisenbahnfriedhof.
Bolivia Altiplano Uyuni salt flat
Was willst du?
Bolivia Altiplano Uyuni cactus island incahuasi salt flats
Auf der Kaktusinsel Incahuasi 4.000 m über dem Meer.

Die erste Nacht verbringen wir in einem Salzhotel. Hier ist tatsächlich so gut wie alles aus Salz: Die Wände, die Möbel, der Boden. Alles. Glaubt mir, ich hab so einiges angeleckt – sehr zur Belustigung des Tourguides (sein Blick hat verraten, dass ich nicht die erste war).

Bolivia Altiplano Uyuni salt hotel
Hier ist – fast – alles aus Salz.

Die Lagunen

Am nächsten Tag geht es endlich zu den Lagunen! Sie befinden sich allesamt über 4.000 m und in ihnen leben tausende – in manchen zigtausende! – Flamingos. Alice ist im Himmel, macht viel zu viele Fotos und Videos und kann sich gar nicht sattsehen.

Bolivia Altiplano Uyuni laguna flamingos
Bolivia Altiplano Uyuni laguna flamingos
Bolivia Altiplano Uyuni laguna flamingo
Bolivia Altiplano Uyuni laguna flamingos

Denk mal nach, was das für coole Vögel sind: Sie fliegen vom Meer bis auf über 4.000 m Seehöhe tief im Inneren des Kontinents und können da wie dort überleben. Und das alles, während sie pink sind! Welches Lebewesen kann das sonst noch von sich behaupten?

Flamingos sind aber bei weitem nicht die einzige Attraktion in dieser Gegend. Das Wasser in den Lagunen ist salzig und dennoch morgends von einer dünnen Eisschicht überzogen – in der Nacht kratzt die Temperatur nämlich an den minus 20 Grad!

Bolivia Altiplano Uyuni

Rundherum zahllose Vulkane – manche aktiv-rauchend, manche ruhend -, surreal anmutende Sand- und Gesteinsformationen in den verschiedenstens Gelb-, Rot-, Orange- und Brauntönen, manche mit weißen und grünen (!) Schichten. Und natürlich gibt es auch Tiere: Fotogene Vicunas und die ersten Lamas unserer Reise zeigen sich und zwischen den Steinen entdecken wir sogar Viscachas, eine Chinchilla-Art.

Bolivia Altiplano Uyuni
Bolivia Altiplano Uyuni viscacha
Hier chillt ein Viscacha und lässt sich von uns Touris nicht stören.

Vor Sonnenuntergang sind wir zum perfekten Zeitpunkt bei den Sol de Manana Geysiren, die teilweise lediglich Öffnungen sind, durch die (sehr) heiße Luft entweicht (und somit gar keine echten Geysire). Es blubbert, es spuckt, es stinkt, es beeindruckt.

Abendentspannung

Den Abend des zweiten Tages verbringen wir in einem seichten Betonbecken, das von einer natürlichen heißen Quelle befüllt wird. „Wir“ sind wirklich nur mein Jeep und der Jeep mit den spanischsprechenden Gästen. Insgesamt 13 Personen (neun davon Touristen + Guides und Fahrer), wir sind zu maximal sechst im Pool. Wenn wir sitzen, reicht uns das 38 Grad warme Wasser gerade bis zu den Schultern und wir staunen als nach dem Sonnenuntergang plötzlich die Milchstraße direkt über uns erscheint, so klar und hell wie es nur unter diesen perfekten Bedingungen möglich ist – absolut trockene Luft, keine Lichtverschmutzung. Am liebsten würden wir die Nacht hier verbringen!

Bolivia Altiplano Uyuni arbol de piedra
Árbol de Piedra – Baum aus Stein.

Am Ende huschen wir so schnell wir können vom Becken in die Umkleidekabine – sobald die Sonne weg ist, ist es bitterkalt – und kehren so schnell es die Höhe erlaubt in die nur 200 m weit entfernte Unterkunft, wo bereits das köstliche Abendessen auf uns wartet.

Da es unser letzter Abend ist, öffnet unser Guide die Weinflasche, die wir am ersten Tag als Requisit für unsere Perspektivenfotos verwendet haben und wir laden auch den Fahrer ein, mit uns anzustoßen. Auf dieser Höhe reicht eine Flasche Wein auch, dass sieben Personen tief und fest schlafen.

Zurück nach Uyuni

Der dritte und letzte Tag beginnt mit einer Fahrt zur chilenischen Grenze, von wo aus wir den Vulkan Licancabur in seiner vollen Pracht bewundern. Er trohnt als perfekter Kegel über einer weiteren Lagune, die bei ausreichend Wind grün erscheint. Wind weht genug, daher können wir die intensive Farbe des Wassers bestaunen.

Bolivia Altiplano Uyuni
An der Chilenischen Grenze.

Danach beginnt bereits die lange Rückfahrt nach Uyuni, die aber von einigen Foto- und einem Mittagsstop unterbrochen wird. Außerdem ist die Landschaft so gewaltig, dass wir uns kaum sattsehen können und unser Guide erzählt uns vom lokalen Volksglauben und zeigt uns Bilder und Youtube-Videos von traditionellen Festen, die uns im Bann halten.

Bevor sich unsere Wege in Uyuni trennen, tauschen wir noch WhatsApp Nummern aus, um die Fotos miteinander zu teilen, dann geht es auch schon zurück zu Alfred, der mir zur Feier des Tages sogar etwas gekocht hat <3

Am nächsten Tag planen wir, nach Potosí zu fahren. Da ein „Fußgängertag“ stattfinden soll, nehmen wir den ersten Bus.

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