Rafting in Futaleufú. Viel Wasser.

Die folgenden Tage sind wir sehr viel „on the road“. Es gibt einiges an Kilometern zu überwinden und auf der schlechten Straße ist das Vorankommen ausgesprochen müh- und langsam. Die bildhaft schöne Landschaft entschädigt aber zumindest den Beifahrer bzw. die Beifahrerin für das unaufhörliche Auf und Ab und den Lärm, den unser Fahrzeug dabei macht.

Wir verlassen den Pumalín Nationalpark und erreichen bald den Lago Yelcho. Kurz vor Villa Santa Lucia sehen wir, den Weg der Zerstörung, den eine Schlammlawine im Dezember 2017 verursacht hat, die nach unüblich starken Regenfällen einen Teil des Dorfes unter sich begraben hat (HIER der Bericht des Guardian).

Chile Patagonia Villa Santa Lucia landslide
Was auch immer vorher da war, ist jetzt definitiv weg.

Im Ort biegen wir relativ spontan links ab. Alice hat sich doch noch dazu entschieden, das zu tun, was alle sagen, dass „man tun muss“:

Rafting el Fu

Futaleufu, nahe der Argentinischen Grenze und am gleichnamigen Fluss gelegen, gilt als einer DER Orte der Welt für Rafting und Kajakfahren: Der Rio Futaleufú (kurz „Rio Fu“) gilt als einer der schönsten und auch anspruchvollsten Flüsse der Welt und bietet Strecken von Klasse III bis Klasse V.

Alice fragt bei mehreren Agenturen an, findet aber alle zu sehr auf Abenteuer aus. Eigentlich möchte sie kajaken, aber der Besitzer von Expediciones Chile überredet sie schließlich, am folgenden Tag eine Raftingtour mit ihm zu buchen und hat dafür die richtigen Argumente und das passende Bildmaterial, damit sie sich auf etwas einlässt, was sie eigentlich nie machen wollte.

Am nächsten Morgen werden wir (= Alice und ihr deutscher Mitstreiter) ausgestattet und angewandet (also in Neoprenanzüge, Schwimmwesten und Helme gesteckt). Danach fahren wir mit dem Jeep und unserem Katamaran im Schlepptau zum „Fu“ und treiben auch schon am Wasser dahin. Zunächst lernen wir noch die wichtigesten Paddel-Kommandos und das richtige Verhalten, sollten wir unvermutet „aussteigen“, dann geht’s in medias res.

Chile Futaleufu rafting gear

Alice liebt das Wasser ja in all seinen Formen und ist zu 100 % in ihrem Element; der Katamaran sticht durch die Wellen. Katamaran deshalb, weil ein reguläres Rafting(Schlauch)boot aufgrund seiner Ausmaße von nur 2 Paddlern + Steuermann nicht gemanagt werden kann. Der Katamaran ist kompakter und auch zu dritt realistisch zu handeln.

Chile Futaleufu rafting
Alles verladen? Dann nichts wie los.

Ablauf

Anstatt der klassischen „Bridge to Bridge Section“, die von den meisten Anbietern mit Anfängern gefahren wird, bietet Expediciones Chile einen Tagesausflug an, der alle Stücke spielt, darunter auch die V-er Stellen „Terminator“ (V+), „Mundaca“ (V-), „Mas o Menos (V-) und die letzte Stromschnelle vor unserem Ausstieg „Casa de Piedra“ (V). Vor jedem dieser Abschnitte erhalten wir von unserem grandiosen Steuermann ein gründliches Briefing, welche Route er anstrebt, welche Kommandos wir zu erwarten haben und wie wir im Falle eines unverhofften Ausstiegs oder Kentern des Bootes reagieren sollten.

Chile Futaleufu rafting
Gehen wir’s an!

Zu unserer Sicherheit sind zusätzlich zwei Safety Kajaks mit uns unterwegs, deren Paddler beneidenswert grazil durch das wilde Wasser gleiten. Ihre Aufgabe ist, uns aus den Fluten zu fischen, wenn wir über Bord gehen und uns nicht selbst retten können (weil wir z.B. nach Kopf/ Helm gegen Stein das Bewusstsein verlieren).

Route

Mit „School House“ (III) geht es los. Das Wasser ist glasklar. Daher können wir auch sehen, wie schnell sich unser Katamaran selbst auf ruhigen Abschnitten fortbewegt. Deutlich schneller als wir dachten!

Chile Futaleufu rafting route

Je wilder der Fluss wird, desto breiter wird unser Lächeln. Wenn es am Wasser gerade etwas sanfter zugeht, haben wir Gelegenheit, unsere Umgebung zu beobachten: Dichter Wald, hohe Felsen und Berge, ein Eisvogel fliegt vorbei.

Der größte Teil der Strecke besteht aus Sektionen im Bereich IV und wir verbringen die meiste Zeit mit Paddeln auf Kommando, während uns das Wasser aus gefühlt allen Seiten ins Gesicht klatscht. Geil! Über uns scheint die Sonne und für Ende April ist es verhältnismäßig warm. Auch das Wasser ist nicht gletscherkalt, sondern für einen Fluss recht wohtemperiert (immer noch frisch, aber geht).

Irgendwann halten wir, um von einem Felsen zu springen (weil es lustig ist) und zu üben, aus dem Wasser wieder ins Boot zu klettern (für den Fall, dass), später landen wir an einem kleinen Strand, um unsere Jause zu essen. Gut, dass Alice vorgesorgt hat! Der Fahrer hat nämlich übersehen, dass ein Sandwich ein fettes V trägt und das vegane Mittagessen bereits verspeist. Na Hauptsache, es hat geschmeckt 😀

Frisch gestärkt geht es ans Grande Finale unserer epischen Fahrt, bevor wir nach „Casa de Piedra“ aussteigen, in trockene Kleidung wechseln und halb erfroren (Alice), aber mit fettem Grinsen im Gesicht (alle Beteiligten) die Rückfahrt nach Futaleufú antreten.

Chile Futaleufu rafting stoked
War geil.

Alice hatte wesentlich mehr Spaß als erwartet (seeeeeehr viel) und hat sich keine Sekunde lang unsicher gefühlt. Möglicherweise wird sie es wieder tun, allerdings stellt sich wie so oft die Frage: Wenn die erste Erfahrung an einem der besten Orte der Welt gemacht wird – ist man für den Durchschnitt dann nicht verdorben? 😉

Reiseinfos

  • Touranbieter: Alice war mit Expediciones Chile unterwegs und fand den kompletten Ablauf perfekt organisiert und das Personal absolut professionell und freundlich. Die Ausrüstung befand sich in sehr gutem Zustand und die Sicherheitsstandards waren hoch (Safety Kayaks).
  • Unterkunft: Im April waren die Campingmöglichkeiten mit einem Van schon sehr begrenzt, wir haben am Camping Azul übernachtet. Das große Plus ist die Bäckerei auf der anderen Straßenseite und die Obstbäume an der Grundgrenze.
  • Lonely Planet Chile

Dieser Artikel enthält möglicherweise unentgeltliche Werbung (Markennennung, Erkennbarkeit von Marken auf Fotos, Verlinkungen) sowie Affiliate Links für Amazon, Booking.com bzw. Airbnb. Wenn du einen dieser Links klickst und (irgend)einen Artikel kaufst bzw. eine Buchung tätigst, erhalten wir eine kleine Kommission. Für dich ändert sich der Preis nicht (Amazon) bzw. wird mit Glück sogar ein wenig günstiger (Booking.com, Airbnb).

Für Wanderungen nutzen wir die Bergfex App (Pro Version). Wir weisen dich darauf hin, dich nicht blind auf unsere Tipps und Anregungen zu verlassen, sondern diese als Inspiration zu sehen, um selbständig zu recherchieren und dir eine Meinung über deine geplante Tour zu bilden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

code