Tageswanderung. Vulkan Chaitén.

Alfred findet Vulkane besonders faszinierend. Wie praktisch, dass sich in Chile ausreichend Gelegenheit bietet, diese zu bestaunen. Während wir sie meistens eher aus der Ferne – mit einem gesunden Maß an Ehrfurcht – betrachtet haben, kommen wir diesem einem ganz besonderes aktiven ziemlich nahe: Dem Vulkan Chaitén.

Chaitén

Der Vulkan Chaitén, der sich mitten im Pumalín Nationalpark befindet, hat im Mai 2008 das naheliegende gleichnamige Dorf zu einem Gutteil unter einer Lahar begraben, einer Art Schlamm- und Gerölllawine (HIER kommst du zum Wikipedia-Artikel). Der Fluss Rio Negro, dessen Verlauf eigentlich am Dorf vorbei ins Meer führte, änderte plötzlich seine Richtung und floss plötzlich mitten durch den Ort, während er Tonnen an Material mit sich führte. Die Siedlung wurde fast komplett zerstört, der Strand befindet sich heute mehrere hundert Meter weiter im Pazifik als noch im April 2008.

Die mutigen (oder dickköpfigen?) Bewohner von Chaitén entschieden sich klar gegen eine Neugründung des Ortes in sicherer Entfernung des Berges und kehrten in ihre Häuser(reste) zurück, sobald ihnen das ermöglicht wurde. Die Spuren der Verwüstung sind auch gut zehn Jahre danach deutlich zu sehen.

Die Eruption des Vulkans Chaitén dauerte bis 2011, wobei noch zwei weitere Jahre Dampf austrat. Auch bei unserem Besuch dampfte und rauchte es ganz deutlich.

Unsere Wanderung

Wir parken Juanita am offiziellen – ziemlich kleinen – Parkplatz. Zum Glück ist bereits März und somit Nebensaison, genug Platz für uns, obwohl wir für österreichische Verhältnisse eher spät dran sind (um 11:30 Uhr).

Am Zugang zum Wanderweg befinden sich Informationstafeln, die auf die rezenten Eruptionen hinweisen.

Anfänglich spazieren wir durch den lichten Jungwald. Als wir den Fluss queren, bekommen wir einen ersten Einblick in das Ausmaß der Zerstörung von 2008: Durch pyroklastische Ströme skelettierte Baumreste und ein breit ausgewaschenes Bachbett.

Chile Patagonia Pumalin National Park Chaiten volcano
Der Pumalín Nationalpark von oben.
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Vorne tote Bäume, hinten tote Bäume. Die Bergrücken sind aber schon wieder grün, weil sich die Natur von so einer Kleinigkeit wie einem Vulkanausbruch nicht aufhalten lässt.

Weiter geht es schutzlos der kraftvollen Sonne ausgeliefert stetig nach oben. Die Überbleibsel der gewaltigen Eruption von 2008 sind primär kahle Baumstämme und bieten kaum Schatten. Die Bäume verbrannten nicht durch die Lava, sondern wurden durch den heißen Ascheregen versengt und stehen nun als stumme Zeugen an den Hängen des Vulkankegels.

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Jetzt ist es nicht mehr weit. Raucht ganz schön, der Kerl.

Der Anstieg strengt uns mehr an als wir erwartet hatten. Immer wieder geht es steil nach oben, Plätze zur Rast bieten sich nur wenige an. Immer wieder sind Stufen in den Hang gebaut, um ausgesetztere Passagen zu überwinden.

Kleine Änderung im Plan

Den ursprünglichen Plan, bis zur Caldera, dem Kraterrand aufzusteigen, lassen wir bleiben. Erstens, weil der Weg für uns nicht klar ersichtlich ist, und zweitens, weil es um uns herum schon raucht und wir keine Erfahrung in Hinblick auf Vulkane und eventuell giftige Gase haben, die austreten können.

Chile Patagonia Pumalin National Park Chaiten volcano
Es raucht, es raucht.

Also jausnen wir am offiziellen Endpunkt der Wanderung und genießen den Ausblick: Von der Insel Chiloé, die sich im Westen am Horizont deutlich abzeichnet, bis zu den Seen Lago Blanco und Lago (Rio) Negro im Norden.

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Mittlerweile sind wir uns übrigens gar nicht mehr so sicher, möglicherweise waren wir doch an der Caldera und die beiden Hügel vor uns, dessen höchste Erhebung wir als Kraterrand angesehen haben, waren in Wirklichkeit zwei relativ junge Vulkankegel.

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Du siehst: In Bezug auf Vulkane haben wir noch einiges zu lernen.

Aus der Zerstörung wächst neues Leben

Während die Umgebung am Scheitelpunkt unserer Wanderung wenig lebenswert anmutet – außer für Bremsen, die finden es hier und uns ganz offensichtlich wunderbar -, hat schon wenige Höhenmeter weiter unten die Natur wieder begonnen, in Anspruch zu nehmen, was ihr gehört: Dichtes Buschwerk bedeckt den Boden und zwischen den toten Bäumen ragen belaubte Jungbäume der lebensspendenden Sonne entgegen.

Chile Patagonia Pumalin National Park Chaiten volcano plant

Es scheint uns ganz wunderbar, wie schnell sich die Natur erholt, wenn der Mensch sie nur lässt. In nur einer Dekade schafft sie es, aus der totalen Zerstörung der Eruption und deren Folgen einen neuen Lebensraum zu schaffen.

Chile Patagonia Pumalin National Park Chaiten volcano
Viele Stiegen, aber auch viel Weitblick.

Der Rückweg erfolgt über dieselbe Route. Beim Auto checken wir noch einmal die zurückgelegte Strecke und Höhenmeter und können uns nicht erklären, warum uns die heutige Wanderung so geschlaucht hat. Wir sind völlig fertig mit uns und der Welt und freuen uns auf Dusche, Abendessen und Bett – auf einem der vielleicht schönstgelegenen Campingplätzen der Welt.

Wanderung auf den Vulkan Chaitén – kurz und knackig

Gesamtzeit: 3:54h
Gehzeit: 2:22 h
Distanz: 5,12 km
Höhenmeter im Aufstieg: 625 Hm
Beschreibung: Technisch einfache Wanderung mit spektakulärer Aussicht. Bei durchschnittlicher Grundkondition und Freude am Gehen sollte sie keine größere Herausforderung darstellen. Wir fanden sie dennoch unerwartet anstrengend.

Wasserflasche, Proviant, Sonnenschutz, Windjacke und Hausverstand nicht vergessen.

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