Tageswanderung. Michinmahuida Gletscher.

Unsere Kühlbox ist funktionsfähig, die Lebensmittel- und Wasservorräte aufgefüllt. Wir haben in Chaitén besichtigt, was zu besichtigen war. Außerdem juckt es uns an den Wanderfüßen (und nein, es ist kein Fußpilz).

Campingplatzauswahl

Mit einem Anhalter im Gepäck brechen wir früh auf, um zu Michinmahuida Gletscher im Südteil des Pumalin Nationalparks zu wandern. In El Amarillo (Ohrwurm des Tages am Weg dorthin: „Is This The Road To Amarillo?“) biegen wir ab und ein, verlassen die asphaltierte Straße für einen besseren Forstweg und vertrauen auf die Einträge in der App „iOverlander“, die sich einig sind, dass wir es mit einem 2-Rad angetriebenen Van bis zum ersten Campingplatz schaffen.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park El Amarillo
„…and sweet Marie who waits for me.“

Der zweite Campingplatz etwas weiter oben klingt zwar irrsinnig verlockend, die Beschreibung des Zubringers („4 WD ONLY“) schreckt uns aber ab – und wir sollen Recht behalten mit unserer Vorsicht, wie wir bald feststellen.

Am Menschen- und Fahrzeug-leeren Campingplatz suchen wir uns also den perfekten Stellplatz, wechseln in die Wanderschuhe und spazieren auch schon die steile Straße hinauf. Unser Mitfahrer stellt inzwischen sein Zelt auf, überholt uns aber bereits nach wenigen Minuten mit Sieben-Meilen-Schritten und verschwindet flugs hinter der nächsten Kurve.

Als wir den oberen Campingplatz erreichen, sind wir sicher: Es war eine kluge Idee, den weiteren Fußweg in Kauf zu nehmen. Die Fahrt nach oben wäre mit unserem Gefährt absolut nicht sicher und keineswegs mit Freude verbunden gewesen. Zu steil, zu wenig Grip.

Wir müssen aber eingestehen, dass die Lage des Campingplatzes 1A ist. Auf einer kleinen Anhöhe bietet er ein stattliches Panorama hin zum Ziel unserer heutigen Wanderung: Dem Michinmahuida (auch Michinmavida) Gletscher.

Unsere Wanderung

Vom Ventisquero Campingplatz aus beginnt die eigentliche Wanderung: Ein flacher, aber gut 10 km weiter Pfad, dem Flusslauf folgend hin zum Fuße des Gletschers. Wir sind es gar nicht gewohnt, zu Beginn einer Wanderung bereits das Ziel vor Augen zu haben. Hier spazieren wir frohen Mutes auf die blendend weißen Eismassen zu.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier

Erst durch den dichten Wald, dann über Boardwalks, um die fragile Vegetation nicht zu zerstören, bald durch das sandige Flussbett. Derzeit führt es nicht besonders viel Wasser. Wir hanteln uns von Markierung zu Markierung, nicht immer sind die halbhohen Holzpfähle einfach zu finden.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier
Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier

Irgendwann biegt der Weg rechts in den Wald hinein ab. Wir klettern über dicke Wurzeln und umgestürzte Bäume, wieder zurück zum Wasser, wieder in den Wald hinein. Bald benötigen wir Hände und Füße, um die Hindernisse zu überwinden, die uns Mutter Natur hingepflanzt hat.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier

Später queren wir einen Seitenarm des Flusses und Alice ärgert sich, da sie trotz ihrer „wasserdichten“ Lowas nasse Füße bekommt. Ob der Aussicht verfliegt der Ärger aber relativ schnell wieder.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier

Wir erreichen ein weiteres sandiges Becken, flach, von dünnen Bäumen bewachsen und finden uns relativ plötzlich auf Gras wieder. Kleine Lagunen, manche völlig ausgetrocknet, manche mit wenig Wasser bieten Vögeln eine Bademöglichkeit.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier

Der Michinmahuida Gletscher

Nun sind wir tatsächlich fast am Ziel. Weniger als eine halbe Stunde trennt uns nun vom offiziellen Ende des Weges, das mit einem Schild markiert ist. Bisher sind wir noch keiner Menschenseele begegnet. Nur unser Passagier vom Morgen ist bereits auf seinem Rückweg an uns vorbeimarschiert.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier selfie

Erst als wir es uns zur Jause gemütlich gemacht haben, fußfrei mit Blick auf die Gletscherzunge, bemerken wir eine Frau, die ihren Mann sucht. Er wollte wohl Fotos machen. Nach wenigen Minuten taucht er zum Glück auf.

Während unseres Mittagessens lauschen wir dem Michinmahuida Gletscher. Ein Gletscher ist nicht nur totes Eis. Er lebt und atmet und gibt immer wieder die schrägsten Geräusche von sich. Mal ein Ächzen, mal ein Grunzen, mal ein kräftiges Niesen und ein paar Eisbrocken fallen krachend herab. An einigen Stellen befinden sich kleine Wasserfälle, die den Fluss speisen und fröhlich vor sich hin plätschern.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier
Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier

Die Eismassen sind gigantisch. Wir können uns kaum sattsehen an den vielen Details und entdecken ständig neue Einzelheiten. „Schau, da“ – „Ja, Wahnsinn!“

Da wir die 13 km vom Hinweg auch wieder zurück müssen, brechen wir rechtzeitig auf. Wir möchten Juanita vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, ohne uns beeilen zu müssen. Auf den letzten Kilometern fantasieren wir schon vom Abendessen und freuen uns auf die Thermosflasche mit heißem Tee, die im Camper auf uns wartet.

Chile Patagonia Carretera Austral Pumalin National Park Michimahuida glacier

Als wir gerade beim Essen sind, hält ein Van neben uns und eine junge Frau hüpft herüber, um ein paar Fragen zu unserer Wanderung und dem weiteren Weg zum oberen Campingplatz zu stellen. Wir plaudern kurz – und freuen uns sehr, dass wir dem Schweizer Paar von World Nopebone ein paar (hoffentlich hilfreiche) Tipps geben konnten. Die beiden sind mit ihrem selbständig ausgebauten Camper (mit Schweizer Kennzeichen!) derzeit in Südamerika unterwegs, um die Panamericana von Feuerland bis Alaska zu befahren. Bis Bolivien haben sie es schon geschafft und ihre Bilder sind immer wieder spektakulär.

Schaut doch mal auf ihrem Blog oder Instagram Profil vorbei!

Wanderung zum Michinmahuida Gletscher – kurz und knackig

Gesamtzeit: 7:08 h
Gehzeit: 6:00 h
Distanz: 27,2 km
Höhenmeter im Aufstieg: 613 Hm
Beschreibung: Technisch einfache Wanderung, bei der du das Ziel den ganzen Hinweg über vor Augen hast. Aufgrund der zurückzulegenden Distanz ist ordentlich Gehmoral gefragt.

Wasserflasche, Proviant, Sonnenschutz, Windjacke und Hausverstand nicht vergessen.

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