Tageswanderung. Laguna de los Tres.

Wenn es eine Tour in Patagonien gibt, die in allen Reiseführern, Blog und Wanderbüchern ad nauseam beschrieben wird, dann diese: Die Wanderung zur Laguna de los Tres.
Naturgemäß sind wir skeptisch.

Naturgemäß möchten wir sie uns trotzdem ansehen und selbst beurteilen, ob an dem Hype was dran ist.

Der Plan

Nach der langen Fahrt von Chile Chico möchten wir unseren ersten Tag in El Chaltén ruhig angehen. Wir schlendern durch die Gassen des 1.500 Seelen-Ortes, trinken in Ruhe Kaffee und besuchen dann das Infozentrum der Guardaparque, der Nationalparkbehörde (wir befinden uns nämlich im nördlichen Teil des Perque Nacional Los Glaciares). Das ist die erste Anlaufstelle für Informationen zu den Wanderungen in der Gegend – Schwierigkeitsgrad, Länge und vor allem auch Wettervorhersagen werden hier von kompetentem Personal an die wissbegierigen Touristen weitergegeben.

Der nette junge Herr macht uns deutlich klar, dass heute der der perfekte Tag für die avisierte Wanderung sei. Die nächsten Tage wäre das Wetter unbeständig, nass und windig. Auf unseren Einwand, dass es bereits nach 10:30 Uhr und die Tour in all unseren Quellen mit 7-8 Stunden beschrieben sei, mustert er uns einmal von oben nach unten und wieder retour schweifen und meint dann, dass wir das sicher schaffen werden.

Na gut.

Unsere Wanderung

Wir queren also die Straße – unser Stellplatz mit Wahnsinnsaussicht liegt gleich gegenüber der Nationalparkbehörde -, packen die Rucksäcke (vor allem mit ausreichend warmer Kleidung und Proviant/ Wasser) und um 11:19 Uhr starten wir los.

Der Weg beginnt am anderen Ende des Dorfes und weil wir so spät dran sind, ersparen wir uns die gut 20 min Fußweg und parken Juanita am Parkplatz. Von hier aus geht es in ein paar Serpentinen durch waldiges Weideland, danach – mittlerweile hoch über dem Fluss Las Vueltas – in einer großzügigen Kurve Richtung Laguna. Die Spitze des Fitzroy ist bereits über den Baumwipfeln zu sehen.

Blick zurück über den Ort El Chaltén.

Wie bei den meisten Wanderungen in Südamerika ist der Weg nicht zu verfehlen. Erstens, weil er gut begangen ist, und zweitens, weil die Markierungen deutlich zu erkennen sind.

Durch ein kurzes Waldstück, erreichen wir bald eine relativ flache, lichtere Gegend. Hier fließen Bäche, es gibt Büsche und Gras. Fast wie auf einer Alm, nur halt doch nicht ganz, da wir uns in Südamerika und nicht in Europa befinden.

Patagonien im Herbstlicht.

Schon der erste Mirador ist atemberaubend. Vor uns die herbstlich gewandeten Scheinbuchen (die von Alice auf Instagram vielzitierten Nothofagus-Bäume), dahinter der gewaltige Mount Fitzroy.

Wir kommen am Zeltplatz vorbei, queren einen kleinen Bach und nach einer weiteren kurzen Strecke im Wald beginnt der letzte, anstrengende Aufstieg zur Lagune. Nur noch ein paar hundert Höhenmeter, dann haben wir es geschafft.

Damit niemand sagen kann, er oder sie hätte nicht gewusst, was kommt.

Vor uns liegt sie:

Die Laguna des los Tres

Die drei Türme des Mount Fitzroy kratzen am Himmel und fallen tief ab bis zum Gletschersee, der in tiefem Blaugrün scheinbar unberührt von Wind, Wetter und Menschen vor uns liegt.

Wir sehen uns um und staunen.

Als wir uns wieder gefasst haben, finden wir ein Plätzchen zum Jausnen – die Kalorien haben wir bitter notwendig -, machen ein paar Fotos. Alice steigt kurz zum See ab.

Noch eins, weil’s gar so schön dort ist.

Am Weg war schon einiges los, auch der Zeltplatz schien gut ausgelastet. Dennoch hatten wir nie das Gefühl, dass es überlaufen war. Auch hier sind zwar viele Menschen, aber die meisten von ihnen scheinen so ergriffen wie wir und genießen still die eindrucksvolle Aussicht. Nur ein Baby zeigt sich komplett unbeeindruckt von seiner Umgebung und verlangt lautstark nach Nahrung. Es ist wohl der jüngste Lagunenbesucher an diesem Tag.

Der Wind frischt auf, die Wolken bewegen sich immer schneller und langsam zieht es zu. Zeit für uns, den Rückweg anzutreten. Er erfolgt auf demselben Weg, wir biegen allerdings einmal rechts ab, um noch einen kleinen See zu besuchen (kein Umweg, sondern eine nur minimal längere Variante, um einen Hügel zu umgehen).

Da hat der Fitzroy schon eine beträchtliche Wolkenfahne.

Wir erreichen El Chaltén und Juanita trockenen Fußes und finden ein Hostel mit angeschlossener Bäckerei, wo wir nicht nur frische Weckerl kaufen, sondern auch für wenig Geld heiß duschen können. Welch ein Luxus! Danach fahren wir zurück zu unserem Stellplatz und schaufeln gierig das rasch zu bereitete Abendessen in uns hinein.

Am Abend stöbern unsere Nachbarn, die 6-köpfige Travelbug Family, noch ein Gürteltier auf, das schnaufend die Flucht ergreift, danach genießen wir eine Extraportion erholsamen Schlaf.

Wanderung zur Laguna de los Tres – kurz und knackig

Gesamtzeit: 6:58 h
Gehzeit: 5:53 h
Distanz: 22,2 km
Höhenmeter im Aufstieg: 1.081 Hm
Beschreibung: Technisch einfache Wanderung mit spektakulärer Aussicht. Bei durchschnittlicher Grundkondition und Freude am Gehen sollte sie keine größere Herausforderung darstellen. Der letzte Anstieg und die Gesamtdistanz sollten allerdings bei der Planung mitberücksichtigt werden.

Wasserflasche, Proviant, Sonnenschutz, Windjacke und Hausverstand nicht vergessen.

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Für Wanderungen nutzen wir die Bergfex App (Pro Version). Wir weisen dich darauf hin, dich nicht blind auf unsere Tipps und Anregungen zu verlassen, sondern diese als Inspiration zu sehen, um selbständig zu recherchieren und dir eine Meinung über deine geplante Tour zu bilden.

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