Roadtrip. Seengebiet.

Ob es eine kluge Idee ist, in Südamerika ein Auto zu mieten und uns in den Verkehr zu schmeißen? Immerhin fahren die Argentinier sicher so feurig wie sie Tango tanzen.

Um die Frage gleich vorweg zu beantworten: Zumindest in Patagonien fahren die Argentinier wesentlich defensiver als wir von allen Seiten gehört hatten. Also alles gut 😉

Alice springt schon mal vor Vorfreude in die Luft.

Ruta de Siete Lagos

Die an jeder Ecke angepriesene Sieben-Seen-Runde (Ruta de Siete Lagos) möchten wir natürlich nicht verpassen. Sie folgt der berühmten Ruta 40 von Bariloche bis San Martín de los Andes und führt kurvenreich durch die Nationalparks Nahuel Huapi und Lanín an sieben tiefblauen bis türkisen (Schmelzwasser-)Seen vorbei, die pittoresk von patagonischem Wald umgeben am Fuße der Anden liegen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Seen zu erkunden, die nicht direkt an der Straße liegen, sondern ein paar Kilometer abseits. Besonders bekannt ist der Lago Traful.

Kann man lassen.

Die meisten Besucher „erledigen“ das Seengebiet in einem einzigen Tag. Da unser größter Luxus ist, Zeit zu haben, entschließen wir uns allerdings dazu, ein Auto für eine Woche zu mieten und nach dem Seengebiet weiter nach Norden zu fahren.

Die Abholung unseres Autos (das Österreichische Wort „Kraxn“ beschreibt es recht gut) verläuft reibungslos und fast zu einfach und schon sind wir am Weg aus der Stadt, über viele viele Lomos de Burro (wörtlich „Lende des Esels“, das sind die Bremsschwellen oder „Speed Bumps“, die in Österreich oft vor Schulen zu finden sind), durch die Polizeikontrolle, die vor und nach jeder Argentinischen Ortschaft stattfindet. Nichts für tiefergelegte Autos oder wenn du’s eilig hast.

Ruta 40

Gleich hinter der Stadt erreichen wir die Ruta 40, eine der legendären Straßen Südamerikas, die von der Bolivianischen Grenze im Norden durch ganz Argentinien bis Cabo Virgenes im Süden des argentinischen Festlandes führt – 5.301 km weit und längst nicht durchgehend asphaltiert, dafür ausgesprochen kurvenreich. Dieser vielbesungenen Straße werden wir in den kommenden Monaten noch viele Kilometer weit folgen.

Um Bariloche ist diese Straße in tadellosem Zustand und wir kommen zwischenfallslos voran.

Unsere Fahrt durch’s Seengebiet

Den Lago Nahuel Huapi umrunden wir und mit Villa La Angostura erreichen wir nach
ca. 1 1/2 Stunden die letzte größere Siedlung für diesen Tag. Wenig später parken wir unser Auto zum ersten Mal, um vom Lago Espejo zum Lago Correntoso zu spazieren. Obwohl angeblich Hochsaison ist und noch Schulferien sind, sind erstaunlich wenige Menschen unterwegs, die meisten davon einheimische Touristen oder Besucher aus dem angrenzenden Chile.

„Schau, so können wir fahren.“
Pittoreske Seen, soweit das Auge reicht.

Als wir das nächste Mal aussteigen, ist der Parkplatz wesentlich besser gefüllt. Wir wandern zum Nivincó Wasserfall. Ungeplant, einfach weil uns das Schild „Wasserfall“ an diesem heißen Sommertag besonders anspricht (ohne Klimaanlage, die Fenster haben wir herunterGEKURBELT). Erst durch den Wald, das letzte Stück queren wir barfuß den erfrischenden Fluss.

Am Wasserfall ist ganz schön was los! Viele Menschen aus der Gegend kommen offenbar hierher, um sich abzukühlen und sitzen auf den Steinen oder plantschen im Wasser, das ein kleines Becken formt. Gerne machen sie Platz für Alice, die kurz ihre Füße abkühlen möchte. Die Stimmung ist ausgelassen-fröhlich, Familien haben Picknickdecken im weiten Flussbett ausgebreitet (derzeit fließt nur wenig Wasser) und holen allerhand Leckereien aus ihren Kühlboxen. Ferien-Feeling pur!

Unsere Unterkunft

Es ist später Nachmittag, als wir unsere über Airbnb gebuchte Unterkunft für die kommenden zwei Nächte erreichen. Alice hat „irgendwas mit Eco“ gebucht und wir trauen unseren Augen nicht: Der Besitzer führt uns zu einem wunderschönen Häuschen, das er selbst gebaut hat. Die Wände sind aus Stroh und Lehm, Weinflaschen in den Außenwänden sorgen für angenehmes Licht. Im unteren Geschoß befinden sich die Küche und ein Esstisch, auf dem eine Flasche Wein und Grissini für uns bereit stehen, das Bad sowie ein Wohnbereich – und ein Holzofen, der an kühleren Abenden wohlige Wärme spendet. Im ersten Stock ist das Schlafzimmer.

Das Haus steht im Garten des Besitzers und rundherum wachsen die wohlriechendsten Kräuter („Bedien dich ruhig. Nimm, soviel du brauchst.“).

Unsere Eco Cabana für zwei Nächte.

Der eigentliche Höhepunkt (ja, es wird noch besser!) ist aber das Frühstück am nächsten Morgen: Gegen 8 Uhr klopft der Besitzer an der Tür und überreicht mir einen Korb voll mit Köstlichkeiten: frisches, selbstgebackenes Brot, hausgemachte Marmelade, noch warmer Apfelkuchen (mit pflanzlicher Margarine!) und aufgeschnittenes Obst, dazufrisch gepresster Orangensaft und eine Thermosflasche mit heißem Kaffee.

Ein Frühstückstraum.

Lago Traful

Wir nutzen den Luxus einer eigenen Waschmaschine und machen uns dann auf den Weg – heute steht der in sozialen Medien omnipräsente Lago Traful am Programm. Also einige Kilometer zurück nach Süden und dann abbiegen. Sobald wir die Ruta 40 verlassen, ist es aus mit Asphalt und wir drosseln die Geschwindigkeit deutlich. Für 20 km benötigen wir auf der Sandpiste eine gute halbe Stunde.

Blick vom Mirador östlich des Ortes über den Lago Traful.

In Villa Traful, dem einzigen Örtchen am See, ist heute eine Feria (ein Kirtag) und dementsprechend viel los. Wir erkunden die Gegend, natürlich darf der Ausblick von einem Mirador nicht fehlen, und jausnen am Steinstrand des Sees und genießen die Aussicht auf Wasser, Wald und Felsen.

…und ins Hinterland.

Es ist recht beschaulich hier, dennoch sind wir der Meinung, dass der Umweg nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Lago Traful ist ein See von vielen, wir finden nichts einzigartiges an ihm.

On the Road again

Nach einer weiteren erholsamen Nacht in unserer wunderschönen Unterkunft verabschieden wir uns von den Besitzern. Es geht weiter nach Norden.

In San Martín de los Andes, der letzten Station der Ruta de Siete Lagos und dem nördlichen Ende des Argentinischen Seengebiets, genießen wir den Ausblick auf den Lago Lácar und spazieren den Strand entlang.

Kayaks am Lago Lácar in San Martín de los Andes.

Bald machen wir uns auf in Richtung Junín de los Andes. Wie immer ist – auch – der Weg das Ziel und wir bekommen einen ersten Einblick in die Weite Argentiniens. Zu unserer Linken erheben sich die Anden und in der Ferne können wir den perfekten Kegel des Vulkans Lanín erkennen, den wir bereits aus dem Flugzeug kurz vor der Landung in Bariloche bewundern konnten und den wir in den nächsten Tagen noch aus der Nähe erkunden werden.

Die Richtung stimmt.

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