Manaslu Circuit mit Tsum Valley – Manchmal kommt es anders

Im ca. 3.300 m hoch gelegenen Lho nahm unsere Wanderung eine unerwartete Wendung.

…als man denkt

Nachdem ich im Tsum Valley bereits eine eher unschöne Nepal-Belly Episode hatte, war nun Alfred an der Reihe. Während mein kleiner Schwächeanfall praktischer Weise im Abstieg akut wurde (wodurch ich mich relativ rasch erholte), waren wir nun in einer Gegend, wo unser Weg nur noch nach oben führen sollte – idealerweise über den über 5.000m hohen Larke Pass.

Da Alfred nicht nur mit seiner Verdauuung zu kämpfen hatte, sondern auch fieberte, beschlossen wir, den Rest Day vorzuziehen, der ohnehin am kommenden Tag auf dem Programm gestanden hätte, und abzuwarten.

Alfred versuchte zu schlafen und ich verbrachte den Tag mit dem Kindle auf der Terrasse und genoss die Sonne und die überwältigenden Ausblicke in alle Richtungen – vor mir das Kloster und der Manaslu (links) sowie Naike Peak (rechts), hinter mir die Aussicht über das Dorf ins Tal, links ein herbstgelber Lärchenwald, rechts ein paar Adler, die auf den Luftströmungen der Berge segelten.

Manaslu Tsum Valley Manaslu
Manaslu Tsum Valley Lho

Und nun?

Alfred fieberte den ganzen Tag, das Thermometer zeigte nie unter 38 Grad, abends war sein Fieber auf 38,8 Grad angestiegen. Obwohl er ausreichend Flüssigkeit zu sich nahm, verbat ihm sein Magen jegliche Nahrungsaufnahme.

Langsam wurde unser Guide nervös.

Alfred und ich diskutierten unsere Optionen und am Abend informierte ich unseren Guide, das wir noch bis zum Morgen abwarten wollten: Würde sich Alfred kräftig genug fühlen, würden wir weiter aufsteigen. Andernfalls… Ja, was? So richtig aussprechen wollte die einzige realistische Alternative niemand…

Abruptes Ende

…dennoch wurde sie am nächsten Morgen spruchreif: Ich kontaktierte unsere Reiseschutzversicherung und schilderte Alfreds Zustand. Mittlerweile hatte er kein Fieber mehr, war stark geschwächt. In dieser Höhe ist es absolut notwendig, ausreichend Kalorien zu sich zu nehmen, und Alfred hatte über zwei Tage hinweg gerade eine Schüssel Nudelsuppe geschafft.

Die Dame bei der Versicherung meinte, dass ihrer Meinung nach der Deckung einer Evakuierung nichts im Wege stünde (eine 100 %-ige Deckungszusage wird nie gegeben) und wir sollten alles in die Wege leiten.

Unser Guide Ram setzte sich also mit seinem Vorgesetzten, dem Besitzer der Agentur, in Verbindung, der Kontakt zu allen notwendigen Parteien aufnahm und dann…

Die Unterschiede

…hieß es erst einmal warten.

Da das Manaslu-Gebiet zu den Restricted Areas gehört und auch aufgrund der im vergangenen Sommer in den Medien aufgedeckten Betrugsfällen mit Helikopterevakuierungen (Wanderern wurde Backpulver ins Essen gemischt), muss sowohl das Innenministerium als auch die lokale Behörde ihr Ok geben, damit der Helikopter in Kathmandu die notwendigen Genehmigungen erhält und starten darf.

In unserem Fall warteten wir sage und schreibe 27 Stunden lang, bis wir die erlösende Nachricht erhielten, dass wir uns auf den Weg zum Heli-Pad 200 HM weiter oben machen sollten. Das heißt, wir hatten bereits einen ganzen Tag mit gepackten Taschen auf einen Anruf gewartet. Der Besitzer der Trekkingagentur hatte unserem Guide regelmäßig Updates gegeben – beide waren ziemlich verzweifelt und auch aufgebracht.

Manaslu Tsum Valley Lho Kloster
Im Kloster von Lho

Auf meine Frage, was passieren würde, wenn die Situation lebensbedrohlich wäre, meinte unser Guide tonlos, dass wenige Wochen zuvor eine Person im Tsum Valley verstorben wäre, weil der Hubschrauber nicht rechtszeitig fliegen hätte dürfen.

Da traf uns die Realität wie ein Holzscheit, dass wir uns in einem der ärmsten Länder der Welt befinden, wo viele Dinge grundlegend anders laufen als in unserer gewohnten Umgebung.

Ende gut, alles gut

Langer Rede, kurzer Sinn: Nach insgesamt 28 Stunden Wartezeit landete der Helikopter und wir wurden in Windeseile mit Sack und Pack (und Guide und Träger) hinein verfrachtet. Wir hoben ab und sowohl Alfred als auch ich konnten unsere Tränen nicht zurück halten – vor allem, als wir sahen, wie weit wir bereits in den vergangenen zwei Wochen gewandert waren, welche Strecke wir zu Fuß zurück gelegt hatten. Da wir talabwärts flogen, konnten wir jedes Dorf, in dem wir gerastet hatten, jede Hängebrücke, die wir überquert hatten, erkennen.

Manaslu Tsum Valley Lho Helipad
Ein letztes Foto bevor der Hubschrauber kommt.

Dazu sahen wir, wie weit oben an den Hängen noch Häuser, Klöster und Terrassen angelegt waren – und wie nahe wir den Gipfeln der richtig hohen Berge waren.

Manaslu Tsum Valley Lho Helipad Manaslu
Sogar die Aussicht vom Helipad war gewaltig (links Manaslu mit Windfahne, rechts Naike Peak, davor der Manaslu-Gletscher)

Zurück in Kathmandu

Eigentlich hatten wir geplant, nach der Wanderung in Pokhara abgesetzt zu werden, nun landeten wir doch in Kathmandu. Es wartete zwar eine Rettung am Flugfeld, aber die gehörte nicht zu dem Krankenhaus, das uns von mehreren Personen empfohlen worden war. Die richtige Rettung war aber bald da und schon ging es mit Blaulicht und Tatü-Tata ins CIWEC Hospital, wo Alfred einigermaßen gründlich untersucht wurde.

Da der Arzt keine akute Erkrankung feststellen konnte, musste Alfred nicht stationär aufgenommen werden, sondern wurde in häusliche Pflege entlassen

So traurig wir über die abgebrochene Wanderung waren, so froh waren wir, dass alles gut ausgegangen ist.

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