Helambu-Gosaikunda Trek

Einmal geht‘s noch, einmal geht‘s noch leicht.

Alfreds Bedingung, die Reise in den Bardia NP (und retour!) auf sich zu nehmen, war ganz klar: Dafür gehen wir dann noch einmal wandern, bevor wir zurück fliegen. Klingt fair.

Eine weitere langwierige Anreise wollen wir uns ersparen und tatsächlich finden wir einen mehrtägigen Trek, der praktisch in Kathmandu startet. Also, eigentlich ist es keine einzelne Wanderung, sondern ein Konglomerat aus mehreren: Der Helambu-Gosaikunda Trek.

Unsere Route

Wir entscheiden uns rasch, die im Internet beschriebene Gehrichtung umzudrehen. Für uns ist das primäre Argument, schwierigere Akklimatisierung, nämlich schlichtweg falsch: Während konventionelle Anbieter mit dem Bus von Kathmandu nach Dunche anreisen, die nächste Nacht in Sin Gumba verbringen, von dort nach Gosaikunda (4.300 m) aufsteigen und am 4. Tag den 4.600 m hohen Lauribina Pass überqueren, lassen wir uns zwei Tage länger Zeit und legen einen Akklimatisierungstag ein, an dem wir nur 100 m aufstiegen. Die Passquerung ist somit ein Kinderspiel, was auf dieser Höhe keinesfalls selbstverständlich ist. Außerdem gestaltet sich der gesamte Anstieg vom Ausgangspunkt weg durchgehend gemächlich und niemals richtig steil. Eine wunderbar entspannte Wanderung zum Abschluss also.

Alice wandert mit ihrem roten Deuter Rucksack durch die dichte Vegetation im Shivapuri Nationalpark in Nepal
Im Shivapuri Nationalpark

Planung

Uns ist klar, dass wir nun genug Wander-Erfahrung in Nepal gesammelt haben, die zusammen mit unserer Bergerfahrung, die wir von zuhause mitgebracht haben, ausreicht, dass wir diese Wanderung ohne Guide machen und sämtliche Entscheidungen eigenständig treffen werden. Der Bequemlichkeit halber nehmen wir uns einen Träger des Anbieters Trekking Team Group, deren Ansätze zur Nachhaltigkeit und fairen Preise uns überzeugen.

Ablauf

Unser Träger Robbie wartet zur vereinbarten Zeit in unserem Hotel, gemeinsam nehmen wir ein Taxi zum lokalen Busbahnhof (Old Bus Station) Ratna Park, von wo aus wir mit dem lokalen Bus – Hühner inklusive – nach Sundarijal, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung fahren.

Die ersten beiden Tage müssen wir Robbie davon überzeugen, dass tatsächlich wir die Entscheidungen treffen, wie weit wir gehen, und dass unser Gepäck, das er trägt, bei weitem nicht so schwer ist, wie er jammert. Wir haben insgesamt ca 15 kg dabei (20 kg wären erlaubt gewesen) und es wird von Tag zu Tag leichter, weil vor allem die Schokolade zügig von allen drei Beteiligten verputzt wird.

Er meint, er sei eigentlich ein Guide (nicht „nur“ Träger), hätte seine Zulassung aber verloren und solle nun Erpressungsgeld zahlen, um diese wieder zu erlangen, obwohl er seine Zulassungsnummer natürlich auswendig wüsste. Das wird uns vom Besitzer von TTG auch in etwa so bestätigt. Da offenbar in Zukunft so etwas wie Standards für Mountain Guides in Nepal festgelegt werden sollen – eine Entwicklung, die wir absolut begrüßen -, die auch einigermaßen fließendes Englisch voraussetzen werden, wird es für ihn allerdings schwierig werden, sich zu qualifizieren. Andererseits möchte er in naher Zukunft einen Englischkurs besuchen. Mit 47 Jahren sicher nicht so einfach. Andererseits verstehen wir auch, dass er in seinem Alter keine Lust mehr hat, die Duffel Bags von Menschen zu tragen, die locker seine Kinder sein könnten, auch wenn es seinen eigenen Kindern eine solide Ausbildung im Ausland (Japan bzw. Australien) ermöglicht.

Unser Guide Robbie am Abstieg zum Gosaikunda See.

Die Wanderung

In Sundarijal stempeln wir uns beim Checkpoint am Eingang zum Shivapuri Nationalpark ein und wandern durch den Wald an einem der Wasserreservoirs für Kathmandu vorbei. Wir queren immer wieder die Staubstraße und kommen nach ein paar Stunden in Chisapani an, wo wir die erste Nacht verbringen.

Ein trüber See hinter Stacheldraht entpuppt sich als eines der Wasserreservoirs für die Millionenstadt Kathmandu.
Gestatten? Eines der Wasserreservoirs für die Millionenstadt Kathmandu. Wir waren uns nicht sicher, ob die „Schwimmen verboten“ Schilder zum Schutz des Trink(!)wassers oder des potentiellen Schwimmers gedacht sind.
Ein schiefes Haus erinnert an das schwere Erdbeben in Nepal im April 2015.
Das schwere Erdbeben (und die zahlreichen Nachbeben) von 2015 sind nicht nur in der Erinnerung der Nepali präsent, sondern auch an vielen Orten noch deutlich sichtbar. Wie an diesem Haus im Ort Chisapani.

Tag 2 führt uns weiter nach Kutumsang auf 2.470 m Höhe. Hier möchte Robbie unbedingt früher übernachten, weil er meint, die Strecke sei zu weit und er habe keine Lust, länger als 6 Stunden zu wandern. Dass er so lange braucht, hat er allerdings nur sich selbst zuzuschreiben, da er alle paar hundert Meter stehen bleibt, um das Signal seines Handys zu checken und zu telefonieren. Anfangs warten wir noch geduldig auf ihn, aber als irgendwann gar kein Weitergehen mehr ist, fragen wir ihn, ob er eine bevorzugte Unterkunft in Kutumsang habe, und laufen voraus. Wir erreichen das Namaste Hotel eine gute halbe Stunde vor ihm – und können uns dann eine Standpauke anhören, dass er uns gesucht und sich Sorgen gemacht hätte. 

Eine buddhistische Gumba mit viel Gold und zahlreichen Gebetsfahnen.
Die buddhistische Gumba von Kutumsang im Abendlicht.

Nachdem wir davor mit ihm besprochen hatten, dass wir in diesem Hotel in Kutumsang auf ihn warten würden und die Möglichkeit, falsch abzubiegen praktisch nicht gegeben war, kostet uns das allerdings nur ein Schulterzucken (als wir wieder im Zimmer sind). Uns ist klar, dass er einfach grantig ist, weil wir ihn nicht als Guide anerkennen – der er für uns halt auch nicht ist, weil wir eben genau das nicht wollten und daher „nur“ einen Träger gebucht hatten.

Egal.

Alice hält ein Masser mit langer Klinge in ihrer rechten Hand.
„Was war deine Frage nochmal?“

Von Kutumsang steigen wir auf nach Magingoth.  Die Unterkunft ist einfach, aber irgendwie nett, wenn auch sehr teuer. Und kalt. Während des nächtlichen Klogangs fällt uns nämlich auf, dass der 10 l Kübel mit dem Schöpfwasser (bei Hocktoiletten wird mit einem Schöpfer Wasser aus einem Kübel nachgespült) komplett durchgefroren ist. In der Früh haben wir dann auch eine ganze Eisblumenwiese innen am Fenster.

Alfred versucht, seine Wäsche zu waschen. Leben dem Lavoir liegen Eisblöcke.
Alfred versucht, seine Wäsche zu waschen. Nicht einfach, wenn das Wasser gefroren ist.
Eisblumen an der Innenseite des Fensters.
Das Bild (und die Temperatur) erklären sich wohl von selbst. Eh hübsch, aber brrr!

Sobald die Sonne rauskommt, wird es aber gleich wieder angenehm warm. Nicht mehr T-Shirt warm, aber solange es windstill ist, reichen lange Ärmel ohne Jacke aus.

Alice spaziert durch den traumhaft verwachsenen Wald im Helambu Gebiet Nepals.
Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem Aussichtspunkt. Den Weg dorthin konnte uns aber niemand näher beschreiben als „ungefähr da hinauf“. Gefunden haben wir dann diesen verwunschenen Wald.

Weiter geht es nach Ghopte, zu einer unserer liebsten Unterkünfte auf all unseren Wanderungen in Nepal: Wieder ein Namaste Hotel und hier spricht die 27-jährige Dame des Hauses nicht nur exzellent Englisch, sondern lässt uns auch den Preis für‘s Zimmer selbst festlegen – und uns am Ende im Speisesaal schlafen, wo der Ofen steht und der gleichzeitig auch ihr Schlafzimmer ist.

Als wir am frühen Nachmittag ankommen, werden sofort sämtliche Arbeiten unterbrochen, um für uns zu kochen, den Holzofen anzuheizen und mit uns im Warmen zu sitzen – häkelnd, plaudernd, sich wärmend.

Alice sitzt in der warmen Stube der einfachen Unterkunft in Ghopte, Nepal. Der Träger und die Dame des Hauses sitzen ebenfalls um den Holzofen
Wir wärmen uns am Holzofen. Diese Unterkunft war besonders gemütlich. Generell fanden wir die sogenannten Teahouses in den nepalesischen Bergen aber so gut wie immer recht heimelig.

Wir nutzen die Sprachkünste der Dame aus, um uns ein paar Dinge zu übersetzen, die Robbie uns versucht hatte zu erklären, die wir aber nicht annähernd verstanden hatten, und stellen viele Fragen zum Leben auf den Hütten, zur Versorgung (mit Trägern, Gemüse großteils vom eigenen Feld in Kathmandu) und generell zum Leben.

Am nächsten Tag spazieren wir nur drei Stunden weiter, zur Hütte ihres Bruders in Phedi auf 3.740 m. Auch hier wird sofort für uns eingeheizt und wir werden maximal köstlich bekocht. Generell hat uns das Essen ja immer geschmeckt und speziell Dal Bhat hat einen ganz besonderen Platz in unserm Herzen, weil es einfach das perfekte Wanderessen ist.

Auf dem Weg von Ghopte nach Phedi queren wir einige Geröllfelder. Hier wandert Alice mit ihrem roten Deuter Rucksack voraus
Auf dem Weg von Ghopte nach Phedi sind einige Geröllfelder zu queren.

Ein wenig früher als sonst machen wir uns am kommenden Tag auf den Weg, um den 4.650 m hohen Lauribina Pass zu überqueren. Aufgrund unserer gemächlichen Anpassung an die Höhe ist der Aufstieg deutlich angenehmer als gedacht und wir genießen die Aussicht von oben, bevor wir zwischen vielen Seen (die zum Teil komplett zugefroren sind und zum Eislaufen einladen) und bei atemberaubendem Panorama (Annapurna I, Annapurna Süd, Manaslu, Himalaya Chuli,…) in den Pilgerort Gosaikunda (oder Gosainkund) absteigen.

Im Vordergrund befinden sich bunte Gebetsfahnen, dahinter der Sternenhimmel
Der Nachthimmel über Phedi.
Die morgendliche Aussicht auf das Wolkenmeer.
Gebetsfahnen Lauribina Pass
Im Vordergrund zwei Wanderer, im Hintergrund der tiefblaue heilige Gosaikunda See
Der heilige Gosaikunda See von oben. Am fernen Ende des Sees lassen sich ein paar Häuser erkennen. Dorthin steigen wir an diesem Tag ab.

Dort schnappen wir unsere Schlafsäcke und setzen uns damit in die Sonne, da es richtig kalt ist. Immerhin liegt der Ort auf 4.200 m Höhe und es ist halt doch schon Dezember.

Alice und Alfred sitzen in ihre Schlafsäcke eingepackt auf einer Bank in der Sonne - inklusive Hut und Sonnenbrillen.
So lässt sich’s aushalten. Ohne Schlafsäcke und dicke Jacken ist es hier allerdings nirgendwo richtig warm.

Die Nacht ist bitterkalt, aber nach einem wärmenden Frühstück sind die Lebensgeister wieder geweckt (bzw. abgetaut) und wir brechen motiviert auf einen weiteren fantastischen Wandertag nach Sin Gumba (oder Sin Gompa) auf, wo wir – wieder alleinige Gäste – in der wärmsten und möglicherweise saubersten Unterkunft all unserer Wanderungen nächtigen. Die Dame des Hauses bereitet uns das möglicherweise beste Dal Bhat zu, das wir in den ganzen 2 Monaten in Nepal gegessen haben.

Der Gosaikunda See am frühen Morgen.
Ein Wanderer mit rotem Rucksack, grüner Jacke und schwarzer Haube blickt auf das schneebedeckte Himalayamassiv
Der Ausblick ist atemberaubend schön.
Extrapunkte gibt es für diejenigen, die den (oder die?) abgebildeten 8.000 richtig benennen können.
Ein Tannenzweig liegt neben einer kleinen Lampe auf einem hölzernen Fensterbrett
Im Gebirge ist Kreativität gefragt: Das ist unser Adventkranz.

Von dort steigen wir nach Dunche ab, einem Drecksloch sondergleichen, über das wir kein weiteres Wort mehr verlieren möchten, und dann steht auch schon die nächste (und letzte!) Busfahrt nach Kathmandu auf dem Programm. 75 km, 7 Stunden, Hühner inklusive.

Ein Räucherstäbchen in die Armlehne eines Busses gesteckt.
Statt einer Versicherung reicht es, den Bus gut auszuräuchern.

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