Potosí

Wie ein einzelner Berg 400 Jahre lang die Geschichte Europas und die der spanischen Eroberungszüge maßgeblich beeinflusst hat.

Die Stadt

Hauptplatz in Potosi
Hauptplatz in Potosí

Potosí liegt in Zentralbolivien, ist eine Stadt mit rund 175.000 Einwohnern, liegt auf 4.090 Meter über dem Meeresspiegel und ist damit die zweithöchste Stadt der Erde mit mehr als 100.000 Einwohnern. Sie ist die Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Bezirks und touristisch hauptsächlich wegen des Berges Cerro Rico bekannt. Dieser machte wegen seiner Silbervorkommen die Stadt Anfang des 17. Jahrhunderts mit rund 150.000 Einwohnern zur größten Stadt der Welt, trotz der unwirtlichen Lage aufgrund ihrer Höhe. Die meisten Touristen kommen wegen der Casa de la Moneda und um den Bergbau-Minen am Cerro Rico einen Besuch abzustatten.

Die Busfahrt von Uyuni nach Potosí verlief problemlos, jedoch kamen wir am Dia de los Peatones, dem Tag der Fußgänger, an. Das bedeutete, dass der Bus nicht in die Stadt einfahren durfte. Für uns hieß das: Mit dem gesamten Gepäck auf 4.000 Metern Seehöhe fast 5 km marschieren. Nachdem wir bei der Unterkunft angekommen waren, luden wir unser Gepäck ab und begaben uns auf Entdeckungstour.

Wie die meisten Städte, die wir bisher in Bolivien besucht haben, findet auch in Potosí das Leben zu einem bedeutenden Teil auf der Straße statt: Viele Menschen überall, viele bunte Gewänder, die Lebensmittel werden frisch auf den Märkten eingekauft, Snacks und kleine Mahlzeiten bei den ubiquitären Straßenverkäuferinnen.

Einkaufen am Markt in PotosiEinkaufen am Markt in Potosi

Dafür, dass es sich um einen Minenstadt handelt, wirkt Potosí erstaunlich sauber und aufgeräumt. Die Bauten im Zentrum sind im Kolonialstil gebaut und stammen zum großteils aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie werden gut gewartet und sind neben dem Cerro Rico die Hauptattraktion der Stadt. Besonders hervorzuheben ist die Casa de la Moneda, siehe hierzu weiter unten unseren Bericht über den Besuch in ebendieser.

Die Geschichte

Blick aus der Altstadt auf den Cerro Rico
Blick aus der Altstadt auf den Cerro Rico

Der Cerro Rico enthält die größten bekannten Silbervorkommen der Welt, bereits die Inka hatten auf dem Berg Silber abgebaut, lag doch der Silbergehalt des Erzes anfangs angeblich bei 80 %, im 16. und 17. Jahrhundert lag er immer noch bei 40 %. Die Geschichte des Bergbaus auf diesem Berg ist eine Geschichte mit vielen hunderttausend, möglicherweise Millionen von Toten, Details könnt ihr hier nachlesen. Die unvorstellbaren Mengen an Silber, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert abgebaut wurden, spielten eine wichtige Rolle in der Finanzierung der spanischen Kolonialisierung. Auch heute noch werden Silber, Zinn und andere Erze abgebaut und auch heute sind die Arbeitsbedingungen katastrophal.

Die Mineros arbeiten in rund drei Duzend Kooperativen, diese zahlen an den Staat eine Miete für die Schürfrechte, operieren dann aber mehr oder weniger unabhängig und tun das ohne übergeordnete technische Kontrolle. Das bedeutet, dass jede Kooperative durch den Berg gräbt, wie es für sie am lukrativsten ist. Mit einer Ausnahme, nämlich dass man den obersten Teil des Berges mittlerweile per Verordnung verschont, da er bereits so durchlöchert ist, dass er andernfalls einzustürzen droht. Entsprechend diesen Bedingungen kommt es häufig zu Unfällen aller Art: Stolleneinstürze, Kohlenmonoxidvergiftungen, Sprengunfälle. Verursacht durch die hohe Staubbelastung und die giftigen Stoffe liegt die Lebenserwartung für einen Minenarbeiter (es gibt in der Mine keine arbeitenden Frauen) zwischen erschreckenden 40 und 50 Jahren.

Welch gewaltigen Mengen hier im Lauf der Zeit abgebaut wurden, konnte Alfred anhand eines alten Fotos feststellen: An einer Hausmauer in der Altstadt befand sich eine historische Aufnahme des Berges. Es gelang nicht, das Foto nachzustellen, obwohl die Häuser noch genau so da standen, wie früher. Von dem Berg fehlt an der Spitze schlichtweg ein beträchtliches Stück:

Aktuelle Aufnahme vom Cerro RicoHistorische Aufnahme vom Cerro Rico an der Hausmauer

Unser Besuch bei den Minen

Minenarbeiter in Potosi am Cerro Rico in Bolivien
Minenarbeiter in Potosí am Cerro Rico in Bolivien

Da wir in Calama in Chile den geplanten Besuch bei der Tagbauminen wegen Wetterproblemen nicht durchführen konnten, wollte sich Alice die Minen in Potosi ansehen. Allerdings wird schon im Lonely Planet darauf hingewiesen, dass der Besuch wohl überlegt sein sollte:

We urge you not to underestimate the dangers involved in going into the mines and to consider the voyeuristic factor involved in seeing other people’s suffering. You may be left stunned and/or ill.

Lonely Planet Bolivia

Wir haben uns auf die Suche nach dem im Lonely Planet empfohlenen Tour-Guide Julio gemacht, der angeblich verantwortungsvolle Touren anbietet, und fanden ihn auf der Straße sitzend vor seinem Büro. Er hat uns gleich einmal erzählt, dass er derzeit keine Touren anbietet und uns dann auf der Straße einen langen Vortrag darüber gehalten, warum: Er arbeitete früher selbst in den Mine, hat aber nach wenigen Jahren aufgehört und stattdessen begonnen, sich für die Rechte der Minenarbeiter und die soziale Situation deren Familien und Kinder einzusetzen. Er bietet derzeit keine Touren an, da die Touranbieter – und von denen gibt es viele, in jedem Hostel werden Touren angeboten – bloß auf ihren Gewinn aus sind und die versprochene Unterstützung für die Minenarbeiter und Familien, mit der viele Touranbieter werben, schlichtweg ein Verkaufsgag sind. Das gesamte Geld fließt in die Kassen der Touranbieter. Auch nicht gespart hat er mit Schimpfwörten beim Thema Touristen. Diese seien – frei zusammengefasst – an der Situation der Arbeiter nicht interessiert und wollten einfach nur mit hohem Kick-Faktor möglichst tief in die Minen.

Er hat daher eine Foundation gegründet – und uns später sogar die staatlichen Dokumente dafür gezeigt – über die er nachhaltigere und weniger sensationsgeile Touren anbieten möchte und mit der er die Kinder der Arbeiter unterstützen will.

Links im Bild der Tourgide - er möchte nicht fotografiert werden
Der Tourgide – er möchte nicht fotografiert werden

Da Alfred wegen dem gesundheitsgefährdenden Staub und dem generellen Risiko nicht in die Mine wollte, haben wir ihn gefragt, ob er nicht mit uns ohne Stollenbesuch zu den Minen fahren kann und uns den Berg von außen zeigen und ein bisschen erklären würde. Wie so oft auf unserer Reise hat uns der Zufall sehr geholfen und es war einer der interessantesten Ausflüge, die wir mitgemacht haben. Julio fuhr mit uns zu den Minen und hat uns viel über die Minenarbeiter, deren Probleme, die Unfälle und deren soziale Situation erzählt. Wir haben vorher mit ihm am Markt ein paar kleine Geschenke eingekauft, besuchten den Berg und waren direkt bei der Mine seiner ehemaligen Kooperative und seinen Kumpels.

Eine Stange Dynamit für USD 5
Eine Stange Dynamit für USD 5

Auf dem Weg dorthin erfuhren wir ein weiteres Kuriosum – Dynamit wird dort nämlich im normalen Greißlerladen verkauft – zu umgerechnet 5 USD. Der Tour-Guide demonstrierte anschaulich, wie ungefährlich die Stangen sind, so lange der Zünder nicht drin steckt: Er warf eine Stange auf den Boden vor Alfreds Füßen.

Die Mineros arbeiten in mehreren Schichten in kleinen abgeschlossenen Gruppen. Die Werkzeuge kaufen sie sich selbst und mit dem Erz, das sie aus dem Berg holen, wird nach unserer Recherche und den Infos vom Tour-Guide zufolge wie folgt verfahren: Sie kippen es in einen Lastwagen, dieser fährt zur Aufbereitungsanlage, dort wird der Erzgehalt bestimmt und die Ladung entsprechend bezahlt. Einen Teil des Ertrages geben sie an die Kooperative ab, der Rest des Ertrages wird innerhalb der Kooperative pro Schicht in der Gruppe aufgeteilt.

Casa de la Moneda

Prägestempel und Münzen in der Casa de la Moneda
Prägestempel und Münzen in der Casa de la Moneda

Die Casa de la Moneda ist eine alte Münzprägeanstalt in Potosi, die heute als Museum dient. Sie war über lange Zeit hinweg quasi der Transformator für das auf dem Berg abgebaute und in der Umgebung eingeschmolzene Silber. In ihr wurden über mehrere Jahrhunderte hinweg gleich vor Ort die Silbermünzen produziert, die den Spaniern zu der Zeit den Reichtum brachten. Besichtigt haben wir die Casa de la Moneda mit einer Führung durch das Gebäude, das heute als Museum dient und extrem gut erhalten ist. In der riesigen Anlage befinden sich auch noch zwei beeindruckende, riesige und vollkommen intakte Schneidemaschinen mit der die Silberplatten ausgeschnitten wurden. Sie wurde von Lasttieren angetrieben. Der gesamte Antriebsmechanismus ist aus Holz und eine der beiden Maschinen ist noch voll funktionsfähig.

Der geheime Ursprung des Weihnachtsmannes
Der geheime Ursprung des Weihnachtsmannes

Neben den originalen Maschinen, Werkzeugen und Werkstätten befindet sich in der Casa de La Moneda auch noch eine kleine Kunstsammlung. Die ausgestellten Gemälde dienten seinerzeit den Europäern hauptsächlich als Anschauungsmaterial, um der lokalen Bevölkerung das Christentum näher zu bringen.

Als kleine Geschichte erwähnenswert: Wir haben in einem der Gemälde vermutlich den bisher geheimen Ursprung des Weihnachtsmanns entdeckt. Auf einem der Gemälde ist so einiges an Themen zusammengemischt und auf diesem befindet sich ganz am Rand ein kleines Detail, das den Weihnachtsmann zeigt 🙂

Fotogalerie
(Klick auf das Bild)

Reiseinfos

  • Tour-Guide: Der im Artikel erwähnte Tour-Guide heißt Julio und betreibt ein Cafe in der Calle Junin 17. Ob er derzeit Kunden nimmt, ist unklar.
  • Casa de la Moneda: Das Museum heißt Casa Nacional de la Moneda und befindet sich im Zentrum der Altstadt. Montag ist es (wie viele Museen in Bolivien) geschlossen.
  • Unterkunft: Unsere Unterkunft haben wir über Booking gefunden, sie lag im nordwestlichen Teil der Stadt
  • Lonely Planet Bolivia

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